Als Liberale Hochschulgruppe bekennen wir uns zum mündigen Studenten, der Defizite offen benennt und für seine Interessen notfalls auch offensiv eintritt.
Die Proteste der letzten Monate im Rahmen des sogenannten Bildungsstreiks lehnen wir daher nicht grundsätzlich ab. Ebenso wenig wenden wir uns pauschal gegen die zu den verschiedenen Gelegenheiten artikulierten Forderungen.
So unterstützen wir selbstverständlich einen Großteil der Forderungen zur Verbesserung der Lehre und Lehrbedingungen, etwa nach einer studierfreundlicheren Betreuungsrelation und einer angemessenen Bezahlung der Universitätsmitarbeiter. Zu diesem Zweck befürworten wir auch Drittmittel aus der Privatwirtschaft, etwa in Form von Stiftungsuniversitäten. Diejenigen, die später maßgeblichen Nutzen von unserer guten Ausbildung haben, können sich ruhig an den Kosten beteiligen, müssen das dann aber auch dürfen. Ebenso fordern wir die konsequente Einhaltung des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte der Studenten, die durch die Universität vorgenommenen Verbesserungen begrüßen wir.
Zu weit gehen uns aber Forderungen wie die kostenfreie Benutzung der Bibliothek „für alle“. Universitätsbibliotheken sind keine öffentlichen Bibliotheken! Die Ausleihe soll daher exklusiv den Mitgliedern der Universität Potsdam und anderer Lehreinrichtungen zur Verfügung stehen. Die LHG setzt sich darüber hinaus dafür ein, dass die Bestände der Bibliotheken noch erweitert werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass die begrenzten Materialien auch gezielt der Lehre und Forschung zur Verfügung stehen. Desweiteren fordern wir längere Öffnungszeiten, um den Studenten ein Höchstmaß an Flexibilität ermöglichen zu können. Die Lüftungszustände und die -insbesondere in den Klausurphasen- kritische Sitzplatzsituation sind weitere für uns wichtige Verbesserungpunkte.
Des weiteren bedarf die Uni-Homepage vieler Überarbeitungen. Die Studenten müssen sich orientieren und informieren können! Die Vereinheitlichung der Seiten der einzelnen Lehrstühle ist daher unvermeidbar. Jeder an der Universität Dozierende muss jederzeit für die Studenten per eMail erreichbar sein. Die Klausurtermine müssen sehr viel früher online einsehbar sein. Auch die Ergebnisse der Evaluation der Lehrveranstaltungen muss öffentlich zugängig gemacht werden, damit wir Studenten auch wissen, was unsere Stimme bringt und vergleichen können, inwiefern die Zustände sich verbessern.
Wir Studenten verbringen sehr viel unserer Zeit an der Universität. Das machen wir aber gern, solange wir uns hier wohlfühlen. Deshalb halten wir von der LHG es für notwendig, dass endlich Aufenthaltsräume zur Verfügung gestellt werden! Es kann nicht immer die Bibliothek oder die hektische Mensa sein, ab und zu braucht man auch mal eine Pause und muss sich in einem Sessel entspannen können.
Die Selbstbestimmtheit des Studiums und aller Mitglieder der Universität sowie überhaupt jedes Individuums ist uns als Liberale eine prinzipielle Herzensangelegenheit. Die Forderung nach Selbstbestimmtheit kann aber nicht dazu dienen, das Leistungsprinzip auszuhebeln. Fleiß und Anstrengungen müssen sich positiv für jeden Einzelnen auswirken, ansonsten gibt es keinen Anreiz, mehr zu machen als das Mindesterforderliche!
Deshalb sind begrenzte Kapazitäten beim Zugang zu Masterstudiengängen für uns eine legitime Hürde. Denn es ist unverantwortlich und unrealistisch zu verlangen, dass jeder grenzenlos studieren dürfen soll. Gute Noten sind prinzipiell jedem zugänglich, und deshalb soll es sich lohnen, gut zu sein! Willkürliche und vorab festgelegte Notengrenzen lehnen wir jedoch ab. Analog zur Bewerbung auf einen Studienplatz, sind die vorhandenen Plätze jedoch an „die Besten“ zu vergeben. Dabei muss jedoch eine ganzheitliche Betrachtung dem Tunnelblick auf die Abschlussnote vorgehen.
Um das Studieren für einen möglichst großen Teil der Gesellschaft zu ermöglichen, unterstützen wir die Einrichtung flexibler Teilzeitstudiengänge. Welche Gründe der Einzelne dafür hat, dieses Angebot zu nutzen, darf für die Nutzungsmöglichkeit nicht relevant sein.
Über alle die Universität betreffenden Forderungen hinaus findet im Rahmen des sogenannten Bildungsstreiks eine ideologisch vollkommen überhitzte Debatte statt, die breite gesellschaftliche Umwälzungen zum Ziel hat. Vermengt mit vielen unterstützenswerten und einigen immerhin wünschenswerten Forderungen steht das Verlangen nach einer Überwindung der sogenannten „kapitalistischen Verwertungslogik“ und einer generellen Abschaffung jeglicher Leistungsprinzipien und Konkurrenzsituationen.
Wir Liberale sehen im Wettbewerb keinen menschenverachtenden Zustand sondern ein Instrument, dass im Menschen eher als jede aufgezwungene Umerziehung kreative und schöpferische Kräfte weckt. Im Wettbewerb um die besten Ideen zur Lösung uns alle betreffender Probleme lag und liegt die Quelle für den Fortschritt der Gesellschaft und die Sicherung und den Ausbau des Wohlstandes für die gesamte Menschheit. Vor diesem ideellen Hintergrund tritt die LHG für studentische Interessen in der Uni ein und kommuniziert diese auch in die zuständigen Gremien der Politik. Aber wir versuchen nicht nebenbei die nächste Revolution anzustiften.
Liebe Student_innen, Leser*innen und KommilitonInnen und liebe Sprachästheten!
Natürlich streben wir in allen Bereichen, wo das Geschlecht der Grund für Ungleichbehandlung ist, die Gleichstellung von Männern und Frauen an. Die Entstellung der Sprache durch, das sogenannte „gendern“ lehnen wir jedoch ab! Dadurch wird keinem geholfen, dadurch wird das hehre Ziel der Gleichstellung lediglich diskreditiert. Der Lesefluss wird unnötig erschwert, das Sprechen und Zuhören wird zur Qual!
Der Begriff des „Studenten“ schließt in den Ohren eines vernünftigen Menschen seit jeher sowohl männliche als auch weibliche Studierende ein. Das sehen zumindest die weiblichen Mitglieder und Sympathisantinnen der Liberalen Hochschulgruppe so. Statt einer grundsätzlichen Einigung auf den Fakt, dass Begriffe wie „der Student“, die aus sprachgeschichtlichen Gründen nunmal einen männlichen Artikel haben, für beide Geschlechter gelten, werden zahlreiche häufig verwendete Wörter verschandelt.
Aus den „Studenten“ werden „StudentInnen“ oder gar „Student_innen“. Erstere Variante liest sich bei nicht ganz genauem Hinsehen schlicht wie die weibliche Form des Wortes, also wie „Studentinnen“, die im Gegensatz zur neutralen Form mit männlichem Artikel deutlich auf Frauen bezogen scheint. Zweitere Variante unter Verwendung eines Unterstrichs ist hingegen ein einziger Krampf beim Lesen. Einzig sinnvolle Ersatzbezeichnung ist das Wort „Studierende“, welches wir jedoch als gleichwertiges Synonym zum schlichten Wort „Studenten“ sehen. Zusätzlich suggeriert die Bezeichnung „Studierende“ subtil, wir würden alle den ganzen Tag nur „studieren“, statt auch einfach mal „normale“ STUDENTEN zu sein
Wir widersprechen der Mehrheitsmeinung innerhalb der Verfassten Studierendenschaft, dass sich ein Großteil der Frauen unter den Studenten durch „ungegenderte“ Begriffe wie „Teilnehmer“, „Mitarbeiter“ oder schlicht „Studenten“ diskriminiert fühlt.