Liberale Hochschulgruppen zu Treffen mit Wintermantel: Reform reformieren – Hochschulen in der Pflicht
Am 2. Dezember hatte Prof. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Vertreter der politischen Hochschulgruppen und weiterer Studentenverbände zum Austausch nach Berlin geladen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes Liberaler Hochschulgruppen (LHG), Johannes Knewitz und die stellvertretende Vorsitzende für Programmatik, Katrin Helling, freuten sich über das gute Gespräch, sehen die Perspektiven aber skeptisch.
Hauptthema war die Umsetzung der Bolognareform an den Hochschulen. Die beiden Vertreter des LHG forderten an dieser Stelle erneut die Reform der Reform, gebunden an das deutliche Bekenntnis zu deren prinzipiellen Richtigkeit. Knewitz fasst seine Punkte aus dem Gespräch wie folgt zusammen: „Die Bachelor- und Masterprogramme müssen flexibler gestaltet werden. Das gilt sowohl für deren Zeitrahmen, als auch für deren innere Struktur. Ob ein Bachelor nach sechs oder acht Semestern erworben wird, soll von Fach zu Fach und von Hochschule zu Hochschule verschieden sein. Alleine die erworbenen Kompetenzen dürfen den Studienumfang bestimmen.“ So ist gleichermaßen von der Bindung der Module an „Workloads“ Abstand zu nehmen. Diese müssen inhaltlich geschlossen, aber zeitlich offen gestaltet werden. Auch die unbedingte Verknüpfung von Modulen miteinander ist nur in Einzelfällen sinnvoll. Helling ergänzt: „Ohnehin müssen die Hochschulen den Fokus viel mehr darauf richten, den Studenten Rechte einzuräumen, etwa zur Teilnahme an einem Seminar, adäquate Materialien oder den Besuch einer Sprechstunde. Zur Zeit geht es meistens um die Pflichten der Studenten, nicht die der Hochschulen.“
Dass sich die Zustände sehr bald bessern, glaubt Knewitz aber nicht und führt ein Problem an, dem auch Frau Wintermantel zustimmen musste: „Zuständig sind meist die Fachbereiche und einzelne Mitarbeiter. Diese sind leider oft überfordert oder negieren sogar renitent den Bolognaprozess, geschützt durch die akademischen Freiheiten. Wenn diese einfach ihre alten Studiengänge in das Gewand des Bachelors kleiden oder die Umsetzung behindern, können weder die Hochschulrektoren noch Frau Wintermantel etwas machen, solange die Strukturen an den Hochschulen nicht gestrafft werden.“
Auch die angekündigte Fortführung dieser Gesprächsrunde scheint zweischneidig. Solange die Probleme der neuen Studiengänge besprochen wurden, war weitgehende Einigkeit gegeben. Als es gegen Ende aber um konkrete Lösungsansätze und das Festhalten gemeinsamer Positionen ging, wurden die unterschiedlichen Ansichten der politischen Vertreter offenbar. Die Vertreter von DieLinke.SDS etwa forderten einen Stopp der Steuerreform, die Vertreter des bundesweiten Bildungsstreikbündnisses wollten nicht nur den Bolognaprozess komplett abwickeln, sondern warnten auch noch deutlich vor einer Radikalisierung der Proteste. Auch die Bemühungen der Hochschulrektorenkonferenz beurteilt Knewitz eher verhalten: „Die Probleme werden kleingeredet. Zudem wird der Bolognaprozess immer noch auf einer theoretischen Ebene diskutiert. Gerade unter den Hochschulrektoren müsste dabei schon längst die Operationalisierbarkeit im Vordergrund stehen. Die Umsetzung unter diesen Bedingungen ist nicht einmal learning by doing. Das ist Trial and Error.“
Verantwortlich i.S.d.P.:
Johannes Knewitz, Vorsitzender
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