Höhepunkt oder Auftakt?
Ein Kommentar zu den Ereignissen beim Neujahrsempfang 2010 der Uni Potsdam
Eigentlich wollte ich gestern lediglich entspannt dem Neujahrsempfang beiwohnen und hören, was die neue Brandenburger Wissenschaftsministerin zu sagen haben würde. Das dabei wenig erhellendes zutage kommen würde, war zu erwarten. Auf den Hinweis der Präsidentin der Uni, für die Umsetzung der Reform und den Ausbau der Uni werden mehr Mittel benötigt, gab die Ministerin das Versprechen ihr bestes zu geben. Gleichzeitig hat sie aber auf auf die desolate Haushaltslage des Landes und die dadurch sehr geringen Möglichkeiten hingewiesen. Ein Seitenhieb auf die vermeintlich noch weiter sinkenden Einnahmen durch die liberale Steuerreform durfte dabei natürlich nicht fehlen. Das sei richtig oder nicht, mir soll es darum an dieser Stellen nicht gehen. Auffällig ist schlichtweg, dass sich hier wieder das für die Sozialdemokratie typische Denken zeigt: Feind und böse ist jeder der dem Staat Geld nimmt. Denn der Staat weiß ja am besten was damit anzufangen ist.
Die Möglichkeit vorhandene Sparmöglichkeiten besser zu nutzen oder auch nur die Notwendigkeit irgendwo zu sparen wurde nicht einmal angesprochen. Es ist schon lobend zu erwähnen, dass der Ausbau der Drittmittelfinanzierung als Ziel genannt worden ist. Aber ob das reicht und es nicht an der Zeit ist zumindest mittelfristig alternative Finanzierungswege in Betracht zu ziehen? Den eigentlichen Höhepunkt erreichte der Empfang vermutlich anders als es von den Organisatoren geplant war: Erst ergriffen Vertreter des AStA das Wort und sprachen durchaus einige richtige Punkte an, leider aber verpackt in das übliche "alles-für-alle-sofort-und-am-besten-umsonst-Mantra". Bei einem Gremium mit der SPD-Jugend als "rechtem" Rand ist das jedoch wenig erstaunlich.
Das es am anderen Rand weitaus radikaler zugeht zeigte sich gleich im Anschluss in einer (ebenfalls nicht vorgesehenen) Rede von Vertretern der ehemaligen Besetzer des Audimax. In kleinkindlichster Manier wurde dort gejammert die Uni kümmere sich ja hier "einen scheißdreck um uns" und ähnliche Aussagen in ähnlich zweifelhafter Wortwahl. Schon darin zeigt sich, dass es sich bei diesen Leuten keineswegs um legitime Vertreter der Studierenden handelt. Kaum einer von uns würde sich bei einer Rede vor seinen Kommilitonen derart ungewählt ausdrücken (besser gesagt derart gewählt flegelhaft weil man ist ja so anti bzw so "kritisch, wie diese Leute sich selbst nennen). Wie dem auch sei, bei der Aussage man wolle aufgrund eines von den Besetzern gefühlten Mangels an Kooperationsbereitschaft auf Seiten der Universitätsleitung nun "zu allen zweckdienlichen Mitteln greifen" wurde ich schließlich hellhörig. So kompromisslos wollte doch schon mal eine Minderheit in Ostdeutschland das Volk zu seinem vermeintlichen Glück zwingen? An den Folgen dieses die Menschen und den Willen der Mehrheit der Bürger verachtenden Experiments haben wir noch heute zu knabbern – und zwar in der ganzen Bundesrepublik. Bisher war ich der Meinung diese Leute wären relativ ungefährlich, engagiert aber halt weitgehend anderer Meinung als ich. Als Besetzer waren sie ein lächerlich kleiner Haufen, ich habe nie verstanden warum man sich davon hat an der Nutzung des Audimax hat hindern lassen. Inzwischen stellt sich mir jedoch die Frage, ist der gestrige Auftritt lediglich der Höhepunkt des Neujahrsempfangs gewesen oder der Auftakt zu einer längeren Reihe von Aktionen, bei denen wie schon bei vielen linksradikalen Experimenten auf Kollateralschäden keinerlei Rücksicht mehr genommen wird? Für diese Befürchtung spricht der Schluss der Rede: ein falscher Feueralarm, ausgelöst auf der Herrentoilette. Welcher linke Agitator träumt nicht einen ähnlich effektvollen Abgang? In linken Kreisen nennt sich sowas meines Wissens "ziviler Ungehorsam", leider wurde dadurch in diesem Fall nicht nur der Empfang der Uni gestört. Leider wurden viele Kommilitonen durch den Alarm an der Fortsetzung ihrer Lehrveranstaltung gehindert. Jeder von uns weiß aus Erfahrung wie wichtig die Zeit gerade so kurz vor den Prüfungen für das endgültige Verständnis ist. Das die ausgerückte Feuerwehr im schlimmsten Fall an anderer Stelle dringender hätte gebraucht werden können, davon sei geschwiegen. Der radikalen Linken sind solche Sorgen leider herzlich egal - ein Ausdruck ihrer Solidarität mit den Studierenden und der Gesellschaft! Solidarität kennen sie wohl nur solange jemand ihrer Meinung ist. Aber wehe den Andersdenkenden, dann zeigt sich was man von der in diesen Kreisen vielbeschworenen Toleranz halten darf.
Ich kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Schon damit die finanziellen Kosten des durch den Alarm ausgelösten Feuerwehreinsatzes den ohnehin zu kleinen Etat der Uni nicht noch weiter schmälern. Dieses besserwisserische und rücksichtslose Verhalten in Verbindung mit der Ankündigung zu ähnlichen Aktionen lässt mich zu der Überzeugung kommen, dass es an der Zeit ist diesen Radikalen mit allen Mitteln des Rechtsstaates Einhalt zu gebieten. Auch wenn es mir als Liberaler schwer fällt nach dem Staat zu rufen, hier ist ganz klar die Freiheit anderer durch eine kompromisslose und sich zunehmend radikalisierende Minderheit bedroht. Das darf in einer Demokratie niemals Duldung finden!
Eine zweite Erinnerung an die Geschichte drängte sich mir am Ende dadurch auf, dass die für den Empfang engagierte Jazz-Kapelle trotz des gellenden Feueralarms unbeirrt weiterspielte, genau wie die Kapelle im Film zum Untergang der Titanic. Hoffentlich bleibt uns ein ähnliches Schicksal erspart liebe Kommilitonen.
Rick Fischer
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Kommentare
Ich danke für die Anmerkung
Ich danke für die Anmerkung und werde bei Gelegenheit Korrektur lesen.